Monatsarchive: August 2011

Ahoi Familie!

Es ist schön für mich als gebürtigen Ulmer für so eine Gelegenheit in Ulm zu sein.

>Der Christopher Street Day kapert endlich Ulm und Neu-Ulm!<

Ulm outet sich“ ist das Motto der Veranstaltung.

Hach, ich kann mich noch sehr gut erinnern wie es war, als ich mich endlich überwinden konnte, und meiner Mutter mit zittriger Stimme gestand: „Mutter, ich bin heterosexuell“. Sie nahm’s zum Glück sportlich, war aber enttäuscht, dass ich kein Friseur werden würde sondern Fußballer…

SCHMARRN!

 

Ich weiß, wie schwierig es immer noch für den Einen oder die Andere ist, sich zu den eigenen Gefühlen zu bekennen – gerade gegenüber den Eltern. Aber immerhin haben wir mittlerweile in Deutschland eine Gesellschaft, in der Homosexualität immer weniger als Problem gesehen wird und immer mehr als normaler Teil der Persönlichkeit.

Sozusagen Geschmackssache.

Schade, dass diese gesellschaftliche Entwicklung nicht bis zur Politik durchgedrungen ist.

Ich bin traurig, in einem Staat zu leben, in dem Menschen die sich lieben, als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, weil die Wahl ihres Ehepartners auf jemandem fiel, der das gleiche Geschlecht besitzt

Dem Staat MUSS es egal sein, wen ich liebe oder zu welchem Geschlecht ich mich zugehörig fühle. Wir zeichnen uns doch nicht dadurch aus, WEN wir lieben, sondern WER wir sind.

Seit zehn Jahren gibt es in Deutschland das Konstrukt der „eingetragenen Lebensgemeinschaft“. Wenigstens dürfen Homosexuelle Menschen in Baden-Württemberg bald und Bayern schon jetzt ihre eingetragene Partnerschaft vor Standesbeamten erklären.

Nur, wieso dürfen homosexuelle Menschen in diesem Land keine Ehe eingehen? WO IST DAS PROBLEM?

Es sind Menschen, die sich lieben, sie wollen es auch vor ihren Freunden und Familie festlegen, und vor dem Staat. Doch der ziert sich wie ein Jüngling oder eine Jungfrau vor dem ersten Mal.

Denn eine „eingetragene Lebensgemeinschaft“ ist keine Ehe. Sie beinhaltet die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte. Es gibt kein Ehegattensplitting und Adoptieren darf das gleichgeschlechtliche Paar auch nicht. Die „eingetragene Lebensgemeinschaft“ ist ein Krampf.

Ich verstehe einfach nicht, dass unser Staat Menschen als Menschen zweiter Klasse behandelt. Ich verstehe es schon in anderen Bereichen der Politik nicht, aber bei der Ehe schon gar nicht. Und das nur deswegen, weil ein Pipi nicht in eine Mu-Mu reingeht. Ja wo leben wir denn? Im Jahr 1950? Oder gar 1850?

Das MUSS sich ändern!

Das Konstrukt der „eingetragenen Lebensgemeinschaft“ gehört in die Mülltonne der Geschichte. Jeder Erwachsene in diesem Staat sollte ehelichen dürfen, wen er will.

Wo. Ist. Das. Problem?

Sogar das Bundesverfassungsgericht hat es schneller kapiert als unsere lieben Politiker. Leute, kommt endlich ins 21. Jahrhundert. Deutschland würde sich freuen, die „Familie“ würde sich sehr freuen.

Noch ein Mal in aller Klarheit: Ich will keine „eingetragene Lebensgemeinschaft“ als Ehe zweiter Klasse für Menschen, die vom Staat und vielen Politikern als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Ich will die Gleichstellung der Ehe für alle Menschen in unserer Gesellschaft.

Der Staat muss Menschen – alle Menschen! – gleich behandeln. Der Staat darf niemandem vorschreiben, wie sie ihre gemeinsame Zuneigung und Liebe organisieren dürfen.

Lasst uns alle gemeinsam für eine offene und vielfältige Gesellschaft kämpfen – gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, für Gleichberechtigung.

Für alle Menschen, für alle Bürger!

Auf dem Weg in eine tolerante und gleichberechtigte Gesellschaft konnten wir schon viele Erfolge feiern, also lasst uns den Christopher Street Day feiern!

Feiern wir, dass wir Menschen sind, mit unterschiedlichem Geschmack, unterschiedlichen Wünschen, unterschiedlichen Arten zu lieben. Und sehen wir zu, dass der Staat und seine Politiker von gestern das auch so sehen.

Ich will euch nicht weiter volltexten. Wer noch mit uns Piraten reden möchte: Wir haben hier NATÜRLICH einen Stand und stehen euch gerne zur Verfügung. Wir werden den ganzen Tag am Stand sein.

Feiert euch, feiert die Vielfalt, feiert das Leben.

VIEL SPASS!