Vorab
Dieser Blogpost kommt eine Woche später als ich vorhatte, da ich gebeten wurde, erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen zu schreiben. Zwar bin ich mir sicher, dass mein Blog nicht wahlentscheidend ist, aber es ist ja kein Problem zu warten. Die Probleme in unserer Partei sind eh nicht in einer Woche zu lösen.

Ich danke Andi Zottmann dafür, dass er mich darauf gebracht hat, dass die Personen, auf die ich mich beziehe, als Dogmatiker anzusehen sind. Damit vermeide ich es auch, alle Linken über einen Kamm zu scheren, was nun wahrhaftig falsch wäre. Ich bitte alle um Entschuldigung, die sich durch meinen ersten Blogpost angesprochen fühlten, obwohl sie nicht gemeint waren.

Auch danke ich der Person die mich darauf hingewiesen hat, dass „Absolutismus“ historisch wie semantisch ein falscher Begriff für das  ist, was ich anprangere. Ich habe ihn durch „Totalitarismus“ ersetzt. Ich finde deinen Kommentar oder Mail nicht wieder und kann dich nicht nennen.

Mir als Politologe ist klar, dass auch dieser Begriff hinkt, wird er eher für die Analyse politischer Systeme benutzt. Doch das Bestreben, wie in totalitären Systemen das Leben der Untertanen zu beherrschen, ist bei den Dogmatikern klar gegeben. Wer einen besseren Begriff kennt, darf in den Kommentaren gerne einen Vorschlag machen!

Kommen wir nun zum zweiten Teil. Ich habe beschlossen, die Beispiele so ungenau wie nötig zu halten, damit ich keine Namen nennen muss (die ich parat hätte).
Mir geht es darum Methoden bloßzustellen, nicht Menschen.

Ziel der Dogmatiker
Eines sollte uns von vorn herein klar sein: Die Dogmatiker suchen nicht den Diskurs. Sie wollen unsere Gedankenwelt ihrer Gedankenwelt unterwerfen. Sie empfinden dieses Handeln als völlig legitim, denn sie sind der Meinung, Träger der einzigen, allgemeingültigen Wahrheit zu sein.

Zweifel an ihren Methoden sind ihnen so fern wie Zweifel an ihren Positionen. Ihr Fanatismus führt dazu, dass ihnen jede Methode recht ist. Sie muss nur schnell funktionieren, am besten emotional treffen, gar verletzen. Mit einem Austausch von Meinungen und vielleicht einer Bereicherung der Gedankenwelt des Gegenübers haben diese Methoden nichts zu tun. Noch ein Mal: Ziel ist die Unterwerfung anderer Meinungen und, wo das nicht möglich ist, die Zerstörung der (politischen) Existenz des Gegenübers.

Im Gegensatz zu manchen meiner Gesprächspartner in den letzten Monaten bin ich nicht der Meinung, dass die Dogmatiker in irgendeiner Kaderschule irgendeiner Gruppierung waren, auch wenn ich das nicht ausschließen kann. Eine gewisse Nähe in der Gedankenwelt und den Methoden bestimmter radikaler Gruppierungen ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber ich glaube, sie sind „Naturtalente“.

Üble Methoden
Was sind die Methoden, die diese Dogmatiker nutzen, um sich durchzusetzen? Wie haben sie es geschafft, dass so viele Angst haben, sich zu äußern?

Die meisten Methoden basieren auf psychischer und verbaler Gewalt. Der einfachste Weg ist deutliche Gewalt wie Herumschreien, jemanden gezielt anschreien, am Telefon pöbeln.

Zwei Beispiele:
In Bochum haben wir drei Mal hintereinander über einen meiner Meinung nach guten Programmantrag abgestimmt, der die Inklusion von Ausländern forderte – und am Ende abgeschmettert. Es wurde heiß diskutiert, ob der Begriff „nationale Identität“ angemessen wäre. Nun, auch mir gefällt das Bild der „kulturellen Identität“ wesentlich besser, aber es kam in Bochum so weit, dass ich von einem Piraten angeschrien wurde, weil ich diese semantische Schlacht für Zeitverschwendung hielt. Wir hätten beim nächstmöglichen Parteitag die Worte austauschen können. Keine große Sache. Ich wette, ich war nicht der einzige, der von einem radikalen Piraten angeschrien wurde, weil er eine pragmatische Lösung suchte.

Das Pöbeln hat auch Folgen, die sich subtil äußern: Es gab in Offenbach einen Vorschlag, nationalistische Bestrebungen zu ächten, sie wie Faschismus und Totalitarismus zu behandeln. Nun, ich bin, wie man weiß, kein Nationalist –  alleine durch meine Lebensgeschichte könnte ich nie einer werden. Aber ich gönne jedem das Gefühl eines moderaten Nationalstolzes, so wenig ich ihn teile. Ein öffentliches Meinungsbild zeigte große Mehrheit für den Antrag. Tatsächlich kam der Antrag aber dank einer geheimen Abstimmung nicht durch (im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz, wo Nationalismus leider in einer Reihe mit „rassistischen, ausländerfeindlichen, faschistischen, totalitären, diktatorischen Einstellungen“ genannt wird). Die geheime Abstimmung wurde notwendig, weil die radikalen Piraten die übliche Palette an Einschüchterungsmethoden ausbreiteten, um der Mehrheit ihren Willen aufzuzwingen. Ihre Methoden griffen jedoch nicht bei der geheimen Wahl. In Bochum wurde übrigens die Möglichkeit der geheimen Abstimmung erheblich eingeschränkt.

Manche radikale Piraten gehen sogar noch weiter. Problemlos steigern sie sich bis zur Androhung von Gewalt, oder zur Gewalt gegen Dinge (Reifen wurden zum Beispiel zerschnitten). Immerhin schreckten sie bislang (und soweit mir bekannt ist) vor tatsächlicher Gewalt gegen Menschen oder deren Haustiere zurück.

Einer der Dogmatiker steigerte sich jedoch sogar zu der Aussage, man müsse eine Person „anzünden“. Solche Aussagen sollten wir nicht in unserer Mitte dulden und wir sollten jede und jeden, der diese Aussagen tätigt, darauf hinweisen, dass seine Einstellung den Grundwerten der Piraten entgegensteht und er sie gründlich überdenken sollte.

Zu aggressivem Verhalten gehören natürlich auch Attacken „ad hominem“. In Reaktion auf meinen ersten Blogpost zum Thema bekam ich zu lesen: „Unsinn“, „ein Selbstporträt?“, „Aggressiv, Abgrenzend, Boshaft: Aleks Lessmann“, „demagogisch allgemeingültiger #bullshit“, „Demagoge“ und „an Lächerlichkeit kaum zu überbieten“ unter vielen anderen ähnlich gerichteten Adjektiven. Nach zwei Jahren im Landesvorstand Bayern können solche Attacken mir wahrlich nichts antun. Aber andere, weniger selbstsichere Menschen als ich, lassen sich von solchen Attacken einschüchtern.

Die thematische Auseinandersetzung mit meinen Aussagen fand ausschließlich in den Kommentaren des Blogs statt. Dafür danke ich der überwiegenden Mehrheit der Kommentatoren.

In einer Partei wie der Piratenpartei sind technische Mittel der Aggression auch vorhanden. DDoS Attacken sind einfach und wurden schon benutzt, aber auch das „Entführen“ eines Twitter Kontos, das eigentlich gemeinschaftlich verwaltet und genutzt wird. Dazu gibt es ein aktuelles Beispiel aus Bayern.

Es gibt viele Mittel psychischer und verbaler Gewalt. Wahrscheinlich sollte ich diesen Methoden einen eigenen Blogpost widmen (Teil 3, ick hör dir trapsen…). Ich möchte jedoch erst über ein anderes Mittel reden, das nicht so offensichtlich ist.

Semantik oder die Beherrschung der Kommunikationswerkzeuge
Dogmatiker haben, wie oben beschrieben, das Ziel, die Gedankenwelt zu beherrschen. Das schafft man hervorragend über Semantik. Die Dogmatiker ziehen gerne diese Karte. Da sie –  und nur sie – im Besitz der allein selig machenden Wahrheit sind, sind sie auch die einzigen, die die Sprache korrekt und allgemein gültig definieren können.

Der Rückgriff auf Semantik ist für Dogmatiker in vielerlei Hinsicht gut:
1.) Die Beherrschung des semantischen Feldes würgt jegliche Kommunikation ab. „Du bist noch nicht auf meinem Niveau angekommen. Ich warte, bist du das erreicht hast. Bis dahin ist eine Diskussion sinnlos.“
2.) Semantik stellt Dogmatiker als die einzigen dar, die alles richtig machen. Nur sie benutzen die Worte richtig. Alle andere müssen es noch lernen, die Ärmsten.
3.) Die Methode rückt den Sprechenden in die Defensive. Dieser weiß nicht auf Anhieb, was er in der Kommunikation falsch gemacht haben soll.
4.) Die Methode verwirrt den Sprechenden, weil er das bewegliche Ziel dogmatisch geprägter Semantik nie erreichen können wird. Beim Hinterherhecheln hinter den „richtigen“ Worten wird er oft vergessen, was er sagen wollte.
5.) Dogmatiker brauchen sich nicht um die Argumente des Sprechenden zu kümmern. Da das Gegenüber eine „missratene“ Semantik benutzt, erübrigt sich die Diskussion, bis es endlich vernünftig wird und die richtige Semantik benutzt. (Eng verbunden mit 1.))

Mit Semantik erreicht es ein Dogmatiker, den Gegner inaktiv und mundtot zu machen. Erst dann, wenn sich keiner traut gegen den Dogmatiker zu sprechen, hat er sein totalitäres Ziel erreicht: Die Meinungshoheit im öffentlichen Raum. Die Gedanken sind frei, aber wenn keiner sich traut sie zu äußern nicht viel wert.

Ein schönes Beispiel für Aggression und Semantik zugleich ist das (Un-)Wort von der „Zeitelite“, die zu den Parteitagen geht.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wer Einsatz zeigt und zu einem Parteitag geht, möglicherweise das letzte Geld vom eigenen Konto dafür einsetzt, gehört zu einer „Elite“. Dass das Wort „Elite“ für die radikalen Piraten grundsätzlich negativ geprägt ist, sollte jedem klar sein. Somit erreicht der Dogmatiker sehr schnell sein Ziel. Wer Einsatz zeigt, ist als Elitist diskreditiert. Als jemand, der sich selbst als besser sieht als sein Gegenüber. (Persönlich finde ich eine der sympathischen Eigenschaften des reinen Buddhismus den Drang, jeden Tag ein besserer Mensch zu sein als am Tag zuvor, aber ich schweife ab…)

Gleichzeitig wird das Opfer, das viele Piraten für die Partei bringen als etwas Böses dargestellt: Zeit. Wer Zeit hat UND sie für die Partei einsetzt, gehört zu einer Elite. Ist i-Bäh, verpönt, letztendlich böse. Eine semantische Verdrehung, die in ihrer Genialität in Orwells „1984“ gehört. Und die Nutzung ist durchaus aggressiv. Darauf aus, andere auszugrenzen, sie nieder zu machen.

Was tun?
Der erste und einfachste Schritt ist, die Personen, die diese Methoden benutzen, darauf hinzuweisen was sie gerade tun. Bei jemandem, der die Methoden unreflektiert benutzt hat, wird es hoffentlich zum Nachdenken führen. Jemand, der die Methoden gezielt verwendet, wird sich hoffentlich ertappt fühlen.

Sollte die Person die Methode oder Methoden weiterhin benutzen, so sollte man das öffentlich anprangern und das Umfeld auf die unfairen Praktiken, die sie anwendet, aufmerksam machen. Hoffentlich wird Peer-Pressure dazu führen, dass die Nutzung solcher Methoden aufhört.

Wir sollten den Dogmatikern klar machen, dass sie ihren Ton mäßigen müssen, dass sie ihre Methoden darauf prüfen müssen, inwiefern sie Gewalt ausüben. Und wir müssen ihnen klar machen, dass ein solches Verhalten inakzeptabel ist.

Piraten sollten hart in der Sache aber respektvoll mit den Menschen sein. Alles Andere ist Totalitarismus.

Wenn ihr auch Beispiele für aggressive Methoden radikaler Piraten kennt, könnt ihr sie mir (natürlich auch anonym über die Privacybox) gerne zukommen lassen oder in die Kommentare schreiben. Es wird Zeit, dass wir diesen Praktiken Einhalt gebieten. Wir Piraten haben viel zu tun. Wir sollten uns von den Dogmatikern nicht davon ablenken lassen, die miserable Politik der Etablierten der letzten 30 Jahre zu korrigieren.

Vielen Dank an @Gondrino @Frau_Semm @donaupiratin @andres_paniagua @Deanna030 @ws_pirat und an S. für das Verbessern des Textes. Fehler wiederum gehen auf meine Kappe.

[UPDATE] Habe im Nachgang ein Paar interessante Links bekommen, die ich unkommentiert weitergebe:
Die Diskriminierer
Femtrolls, Gender-Fuuuu
Gender-Trolle und Godwin-Leugner (Den habe ich vergessen, im Text einzubinden)

21 Kommentare zu Radikale Piraten, Teil 2

  • Jan sagt:

    Dogmatismus ist tatsächlich der passendere Begriff — mit Links sein hat chauvinistisches Verhalten nun wahrlich nichts zu tun. Die Diffamierung als linker/radikaler Spinner oder „Gutmensch“ ist ebenso problematisch, entspricht dem selben Muster und entspringt meist einer ganz anderen politischen Ecke.

  • Paul B. sagt:

    Ich glaube ein Wort, das man für diese Personen verwenden könnte, ist Fundamentalisten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Fundamentalismus

    Das trifft es meiner Meinung nach am ehesten.

  • Gondrino sagt:

    Jeder Pirat bleibt aufgerufen gegen Dogmatismus und Fundamentalismus vorzugehen. Beide widersprechen den freiheitlichen Werten, die wir vertreten. Ziel ist doch eine offene Gesellschaft ohne Angst, ohne Diskriminierung, in der jeder so leben kann, wie es seinen Vorstellungen entspricht, so lange er andere nicht beeinträchtigt. (Hat schon der alte Fritz gesagt…)

  • Umrath sagt:

    Und wieder ein klares „Daumen hoch!“ für den 2. Teil.

    Dogmatiker, ich würde auch eher zur Bezeichnung Fanaktiker tendieren, sind in der Tat ein Problem, ein tagtägliches Problem. Leider haben sie in einigen Bereichen ihr Ziel schon erreicht und tatsächlich die leiseren Gegner zum schweigen gebracht.

  • soulless sagt:

    Was ich bei vielen dieser Fundamentalisten nicht verstehe ist das sie auf der einen Seite gegen Rechts und Fachismus und so weiter „kämpfen“ und dann selber nicht so viel anders handeln.

    Der Glaube mit allen Mitteln für das „Gute“ kämpfen zu müssen, der Glaube einen klar identifizierbaren Gegner zu haben und diesen zu diffamieren, Etiketten zu verteilen und auszugrenzen ist doch schon immer der Anfang von Bewegungen die in totalitäre Systeme führen.

    Eine freiheitliche Politik definiert sich nicht durch die Ziele sondern durch die Methoden.

    • StarFire sagt:

      Ja – sie sind einfach nur die andere Seite der Medaille … aber … sie haben RECHT !!!111!!1 *g*

      Das ist das Problem mit den Leuten, die keine Zweifel an der Richtigkeit ihrer persönlichen Wahrheit haben.

      „Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“
      (Bertrand Russell)

  • netzhocker sagt:

    Lieber Aleks,

    schön wie Ihr™ euch die Bedeutung des Wortes Dogmatikerin erarbeitet habt. Allerdings werden sich folgende Personen über eure Interpretation lt. Wikipedia kaum freuen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Dogmatiker

    Da sind Menschen dabei wie Karl Adam, ein gewisser Benedikt_XVI., Eva-Maria_Faber, Elisabeth_Gössmann (sie selbst sieht sich lt. Wikipedie aber eher als „…als Vertreterin einer „historischen Frauenforschung in der Theologie“, …

    Aber mach nur weiter, ich hol mir Popcorn und schau mir „Aluhut goes PAV“ an.

    Liebe Grüße
    @netzhocker

  • Fritz sagt:

    Hallo Aleks,

    ja wir haben hier ein ganz massives Problem und viel zu lange haben wir diesen Fanatikern, Fundamentalisten das Feld überlassen. Leider ist es so dass selbst oberste Funktionsträger und landtagsabegeordnete diese miesen Methoden anwenden.

    Aber vielleicht fängt man vielleicht mal selbst bei sich und seinem umittelbaren Umfeld an. Wer Parteimitglieder bzw Wähler als Spinner oder Idioten bezeichnet sollte mal in sich gehen. Merkste was!

    LG aus dem Norden

  • Hallo Aleks,

    ich glaube deine Ziele sind letztlich gar nicht so weit entfernt von denen, die du kritisierst. Du kritisierst : „Die meisten Methoden basieren auf psychischer und verbaler Gewalt. Der einfachste Weg ist deutliche Gewalt wie Herumschreien, jemanden gezielt anschreien, am Telefon pöbeln.“.

    Wenn es um Antisemitismus, Rassismus und Sexismus geht, geht es letztlich darum, dass Menschen nicht institutionalisiert oder sozial immer wieder aufs Neue beleidigt werden. Das man Rücksicht nimmt auch auf die Menschen, mit denen man vielleicht nicht in der selben Peer Group ist. Insofern ist dein Einwand verständlich, aber übersieht den Ausgangspunkt. Ich bin auch kein Fan davon, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, aber das muss schon klar sein: Leute, die dafür höflich behandelt werden wollen, dass sie sexistische, rassistische oder antisemitische Kommentare benutzen, sind per se unhöfliche Menschen und Dogmatiker.

    Du forderst

    : „Der erste und einfachste Schritt ist, die Personen, die diese Methoden benutzen, darauf hinzuweisen was sie gerade tun. Bei jemandem, der die Methoden unreflektiert benutzt hat, wird es hoffentlich zum Nachdenken führen. Jemand, der die Methoden gezielt verwendet, wird sich hoffentlich ertappt fühlen.

    Sollte die Person die Methode oder Methoden weiterhin benutzen, so sollte man das öffentlich anprangern und das Umfeld auf die unfairen Praktiken, die sie anwendet, aufmerksam machen. Hoffentlich wird Peer-Pressure dazu führen, dass die Nutzung solcher Methoden aufhört.“

    Das ist letztlich nichts anderes als das Vorgehen, was die von dir als Dogmatiker bezeichneten Leute praktizieren.

    • admin sagt:

      Leute ruhig anzusprechen, dass sie Gewalt anwenden ist selbst Gewalt?

      • Ne, ich hatte mit quote beide Absätze hervorheben wollen, eigentlich ist der zweite

        „Sollte die Person die Methode oder Methoden weiterhin benutzen, so sollte man das öffentlich anprangern und das Umfeld auf die unfairen Praktiken, die sie anwendet, aufmerksam machen. Hoffentlich wird Peer-Pressure dazu führen, dass die Nutzung solcher Methoden aufhört.”

        der wichtige.

        • admin sagt:

          Und inwiefern ist es Gewalt, jemanden auf Aggressivität in seinem Verhalten hinzuweisen?

          • „öffentlich anprangern“ und „Peer Pressure“. Die von dir kritisierten Leute machen nichts anderes. Und, mit Verlaub: Es gibt immer Leute, mit denen man in Ruhe ein Thema besprechen kann.

            Was den Inklusionsantrag anging: Die Diskussion wäre halb so wild gewesen, wenn nicht der Zeitdruck da wäre. Bundesparteitage der Piraten bekommen selten Zeit, eine Diskussion durchzuführen, und Diskussionen können durch die Masse mit GO Anträgen abgebrochen werden. Letztlich beweist es nur, dass weder LQFB noch LimeSurvey noch ein Bundesparteitag einen öffentlichen, inhaltlichen Diskurs ersetzen können. Und trotz allem Ärger wurde der geänderte Antrag letztlich als Positionspapier angenommen, d.h. im Prinzip mag die Diskussion hitzig gewesen sein, aber ein Ergebnis mit dem alle leben konnten gab es.

            In einer Partei wird gestritten. Dass da immer mal jemand über die Strenge schlägt, kann passieren. Und irgendwann ist dann auch gut mit Selbstbeschäftigung wie Flauschcons, Aggressivem Kommunikationsstil etc.

            Zumal die Grenzen sich immer verschieben. Bei der BGE Diskussion sind z.B. Piraten durch massive Trollerei aufgefallen, die sonst recht vernünftige Diskussionspartner sind.

            Dieses ganze gelabere um den richtigen Ton verhindert letztlich inhaltliche Arbeit. Das dein Artikel letztlich doch irgendwie inhaltlich ist, da er am Ende lauter „Feminismus und das Genderthema sind doof“ Artikel verlinkt, ist im höchsten Maße irritierend.

            Was Ideologie angeht: In jeder politischen Diskussion bezieht man ja irgendwo Position. Die Positionen der anderen Seite als Ideologie hinzustellen ist selten Produktiv. Für den Fall, dass man keinen Konsens findet, gibt es Abstimmungen. Das ist bei vielen Themen bei uns letztlich auch passiert, BGE ist das prominenteste Beispiel.

  • Status Quo sagt:

    Die Dogmatiker des Status Quo sind auch stark vertreten. Lähmend, verallgemeinernd und kurzsichtig. Siehe oben.

  • xwolf sagt:

    Danke für den Text. (Auch wenn er anderes strukturiert, nämlich ohne die Hintergrund-Anleitung, IMHO besser lesbarer gewesen wäre).
    Das was du über die Semenatik geschrieben hast ist sehr richtig und die Auflistung liefert eine schöne Anleitung um sowas zu erkennen.

    Was ich aber vermisse ist der Hinweis, daß „Dogmatiker“ nicht immer eine feste Gruppe sind.
    Bei speziellen Themen sind es immer dieselben, ja. Aber bei anderen Themen sind es ganz andere, und die Personen die sich woanders als Dogmatiker gebähren sind da plötzlich kompromissbereit und pragmatische Menschen.
    Ich würde sogar soweit gehen und postulieren, daß jeder selbst auch unversehens und oft unbewusst selbst zum Dogmatiker werden kann, wenn ihm das Thema (aus Gründen) wichtig ist.
    Andere als Beispiel zu nennen ist leicht. Ich nehm mich mal selbst als Beispiel: In Sachen Barrierefreiheit werde ich regelmäßig selbst zum Dogmatiker. Und falle auch in die oben genannten Methodik der Semantik rein. Das geht sogar inzwischen so weit, daß ich Leute der Diskriminierung bezichtigte. Und das „nur“ weil sie sich nicht auskannten und zwar in besten Wissen und Gewissen was produziert haben, aber dann doch Leute ausgrenzten.

    Oft (immer öfter bei dem Thema) hab ich das Gefühl, es geht nicht mehr anders. Das Thema und viel mehr noch, die allgemeine Akzeptanz dazu, kommt seit fast 2 Jahrzenten nur so langsam voran. Und die Leute machen noch immer und wieder dieselben Dinge,von denen man eigentlich dachte, das man sie endlich hinter sich hätte…
    Der Frustfaktor ist da riesengroß.

    Wenn wiedermal ein Vorstand mit einer Website rauskommt und absichtlich und trotz vorherige Hinweise, daß man diese zugänglich für alle macht, dann doch mit einer Lösung kommt, die 5% aller Leute ausschließt, dann bezeichnie ich dies öffentlich als Diskriminierung.
    Würde mich dann ein Hinweis wie obiger, erreichen, würde mich das nicht abhalten. Eher weiter erzürnen.
    Denn ich würde es als Relativierung des Problems sehen. (Ha, das mit der echten, vermeintlichen oder unterstellten Relativierung ist auch so eine Falle!).

    Und nun?
    Richtlig lösen kann man das Dilemma wohl nur mit mehr als einen kurzen Appel an Sachlichkeit. IMHO braucht es mehr an gegenseitigen Verständnis. Und Ruhe und Gelassenheit.
    Auch bei kritischen und brennenden Themen.
    Dahin zu kommen ist schwer. Wen man Blind vor Wut und aus Frust auf einem Gebiet tätig ist, sieht man hinter allem nur Angriff und Verschwörung.

    Wir sollten daher versuchen, es garnicht erst soweit kommen zu lassen.
    Wir müssen versuchen, schon rechtzeitig zu erkennen, wenn Piraten und andere Leute sich in etwas reinsteigern oder sich überarbeiten und absehbar in den Burnout kommen.
    Wenn wir einen Appell auf Mässigung sagen, dann ist es meist schon längst zu spät.

    Wir müssen halt eben mehr aufeinander aufpassen.

    (Btw: Mach ich mich jetzt wieder zum Relativierer? Weil ich gerade versuche, die Gründe hinter den Dogmatiker der in allen von uns steckt, zu ergründen?)

    • StarFire sagt:

      Gut erklärt. In meinem Fachbereich werde ich auch immer schnell zum Dogmatiker. Einfach weil ich mich in der Thematik gut auskenne und immer wieder die selben, längst widerlegten Pseudoargumente von uninformierten Leuten höre. Das ist ermüdend, das kostet viel Nervenkraft und ist lästig, immer wieder und wieder belegen zu müssen, daß der „normale Pirat“ vom Thema keine Ahnung hat und sich doch bitte mal ins Thema einlesen soll, statt daß er auf Basis seines Halbwissens, seines Bauchgefühls und seinen Vorurteilen mit diskutiert.

      Da stoßen dann Dogmatiker auf Dogmatiker. Auf der einen Seite gut begründeter Dogmatismus, der auf Studien und Statistiken (auf Fakten) beruht – auf der anderen Seite der Dogmatismus, der sich aus Bauchgefühl, hören-sagen, ideologischer Verblendung und Vorurteilen speist.

      Ja, auch da würge ich inzwischen die Diskussionen ab, bzw. ziehe mich raus, weil ich eben keinen Bock mehr drauf habe, jedem Menschen einzeln seine Denkfehler und Ignoranz vor die Nase zu halten (was die meisten sowieso eh eher beleidigt, als zum umdenken bewegt).

  • Michael Behling sagt:

    Dogmatiker des Status Quo sind häufig Ignoranten oder auch Lobbyisten. Warum diese den vermeintlichen Stillstand wollen, diese Erkenntnis, fällt einem meist viel später vor die Füsse.

    @Inoxis63

  • Antonio García García (aka NingúnOtro & @SameDoKan) sagt:

    Dear Aleks and fellow German pirates,

    „By assuming malice you often turn away from the problem. It’s unpleasant to deal with malice, because someone seems to work against you. And, after all, it’s not your fault, that someone else is mean, so he should apologize and you wouldn’t do a thing until then.

    But by identifying a misunderstanding, suddenly no one’s left to be blamed. It’s nobody’s fault. There are always two to make a misunderstanding happen. It takes at least one to clear it up, and it doesn’t matter who this is.“

    Please have a look at the following:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Hanlon%27s_razor
    http://en.wikipedia.org/wiki/Logic_of_Empire
    http://rationalwiki.org/wiki/Hanlon%27s_razor
    http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/HanlonsRazor

    Best overall text: http://agiletrail.com/2011/12/20/hanlons-razor-comfort-in-the-assumption-of-stupidity

    I first met you in Prague, Aleks, where you undoubtedly with all of your good faith and intention, but with an extreme lack of factual understanding, tried to mediate between the Catalan pirate party delegation and the Spanish one I was part of. I was there, spending a big chunk of my meagre personal reserves, much more because I had propositions for the International Pirate Community much in line with what you say in the inaugural speech to the Potsdam Conference (grenzen in den kopfen abbauen), than to unilaterally defend Spanish Pirate Party interests. But of course… first everything about the Spanish situation got postponed till the last minute and I could not know if PPI would do the right thing, so I waited for positive signs… until everything went crazily wrong and still remains this way beyond my rational willingness to apply Hanlon’s razor ;( . So I kept my mouth shut. The PPI Statutes were breached in Prague and prostituted in a Court of Arbitration ruling… and nobody has seemed to care… and thus I still keep my mouth shut while my complaint to the CoA awaits Godot due to the administrative arrogance of the PPI Board.

    Still, I tried to contribute towards some global understanding of our human and pirate situation: https://eu.piratenpad.de/2

    Humanism is no stranger to the PP-DE ideology: http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/thumb/d/d6/Wertedreieck.png/800px-Wertedreieck.png

    Our biggest problem is not active radicalism, dogmatism, or you name it any way you want to try to avoid pointing to the seemingly overwhelming majority of left-wing origin in it that is plaguing the German Pirate Party. Of course there is some, like there is right-wing, but it is not the bulk of it.

    Our problem is Hanlon’s razor (a little bit of malice, a lot of misunderstanding, a big bulk of straight ignorance), coupled with statistical effects compounding on the mass dynamics of our „MitmachPartei“ approach that grow worse the faster we accept growing amounts of new affiliates that join because of the fun that can be had and care less about learning thoroughly what being a pirate is really about and logically and ethically behave like one or stay away.

    There you have your reason for the growing split between Altpiraten and Neupiraten… Altpiraten statistically are much more logically and ethically aware of the original pirate values, and intellectually capable of arguing about them and adapt to new contexts… and they suffer an increasing lack of relevance in the defence of those values because they are being outnumbered heavily now by too many Neupiraten that do not really care to explore, understand and adopt the core pirate values… they have found an easy alternative in the horizontal assembly model of the 15M/Indignado/Occupy Movement that reduces everything in democracy drastically to… whatever the majority votes (even if they vote not understanding anything, just pressed by the simplistic maxim „I vote thus I am“, by tossing a coin or throwing dice -like the vote on PP-CAT full membership in PPI through an statutorily impossible non-motion-)

    Granted, it is not easy to get out of the trouble democratically once you have let the Party degrade towards consisting of a majority of unaware, mostly ignorant or simplistically thinking people that think the majority is always right and that that is all what democracy is about. They push for direct dmocracy and Liquid Feedback everywhere… and create a black hole called Idiocracy (The homonymous motion picture is funny to watch… once! 🙁 ). Try to convince them of the plain truth arguing they are being stupid and ignorant… and you will get a taste of what the Spanish Inquisition was about. Beware of Lynch.

    We are heading towards mob rule in the parties if we fail to recognise the right dynamics involved in the phenomenon.

    Even those in board positions end up acting weird to avoid the shitstorms the overwhelming ignorance (not to point to each and everyone, you know yourselves, but undeniably in an aggregated statistical sense) generate, and stupid ad-hoc decisions are enacted to try to cope with lack of reason in the majority that damage the credibility of our core values (like giving up freedom of speech to end the brown-nazi shitstorm as the left-leaning ignorant majority imposed to feel some kind of victory achieved).

    At this moment, participation and creativity are being rooted out because the conservative majority of dumb ignorants lynches everything and everybody that threatens their cozy ignorant nirvana.

    And public perception of the Pirate Party went from innovative darefulness that gave many people all over the ideologic spectrum new hope to an overwhelming amount of tiny or not so tiny idiotic remarks and positions and disrespectful behaviour of ignorant individuals that nonetheless had being pirates in common… that the conservative press built on greedily to ruin the Pirate Party as a threat to the political status quo of their traditional paymasters.

    I had plans for a Pirate Blitzkrieg (and idiots be damned) starting an experiment for the Lower Saxony elections, to consolidate the strategy at the Federal Parliament elections, and finally take over the whole European Parliament in 2014 😉 … and I found nobody responsible enough to talk about them with… which was really what I went to Prague for to start with.

    I let the guys in Lower Saxony do it their way instead…

    … no need to recall the results.

    So, wie geht es weiter?

    Antonio.
    PP-ES

  • Anhalter sagt:

    Danke, klare überfällige Worte.
    Ein weiteres Übel, dass in gerade (bevor ich Deinen Blog las) auf den MLs von Niedersachsen und Berlin zu thematisieren versuche, ist „Don’t feed the troll‘.

    Dieses virtuelle Wegsehen angesichts der von dir beschriebenen dogmatischen und teils demagogischen Argumentationsstile. Dieser hilflose Versuch Beleididungen einzelner, falsche Anschuldigungen, manipulative Vorwürfe, aber auch politisch provokative Posts durch Ignorieren ungeschehen machen zu wollen. Der mangelnde Wille Verantwortung zu zeigen und zu tragen. Dieses feige „sich-weg-ducken“ das maßgeblich dazu beiträgt, das die Presse uns als Chaotenhaufen empfindet und darstellt. Denn nur die lauten Demogogen oder Dogmatiker, wie Du sie durchaus zutreffend nennst, werden wahrgenommen.

    Ich bin der Überzeugung, wenn wir es nicht schaffen uns auf gemeinsame Werte auch oder sogar gerade im Umgang miteinander zu einigen und diese zu leben, dann sind wir unglaubhaft.

    Wie wollen wir glaubhaft eine Politik fordern und gestalten, die den Mensch in den Mittelpunkt stellt, wenn wir gleichzeitig mehr als häufig den Respekt im Umgang miteinander vermissen lassen?

  • DSLawFox sagt:

    Danke, Aleks, für deine Ausführungen in Teil 1 und Teil 2! Deine Analyse könnte sicher noch ergänzt werden um die Vorkommnisse seit der Veröffentlichung deiner Blog-Posts, indessen mir fehlt leider die Zeit. Sobald ich es hin bekomme, meine anderen „Projekte“ zu veröffentlichen, wird das das Nächste sein; hoffentlich nicht zu spät. Exemplarische, Ereignisse aus meiner persönlichen mittelbaren und unmittelbaren Wahrnehmung verdeutlichen und bestätigen deine gewonnene Erkenntnis in teils erschreckender Weise. Dennoch werde ich den Idealismus nicht verlieren. Es gibt „die freiheitlichen Ziele“, für welche „Die Piraten (TM)“ seit Gründung und jedenfalls seit der erweiterten Öffnung ab 2009 stehen, die es zu verfolgen und in unserer Zivilgesellschaft zu propagieren und gedanklich zu verankern gilt. Dafür braucht es mehr Aktive, Konsolidierer und Solidarier und weniger „Laute“, Extremisten, deren Ziele oder auch ihre eigene Unsicherheit es ihnen (Letztgenannten) aufnötigen, die Fratze des Totalitarismus oder des bloß vermeintlichen! (Meinungs-)Anarchismus möglichst perfekt zu tarnen, um schließlich die Unfreiheit der intellektuell Unterlegenen feiern zu können. Dabei gilt es stets, beabsichtigten Machtgewinn mit der Obsession für vermeintlich hehre Ziele zu bemänteln, was aber im Endeffekt nichts anderes bedeutet, als Meinungs- und Deutungshoheit zu erlangen. Dies wiederum dient einzig dem Ziel, am Ende Massen (oder eine begrenzte Parteiöffentlichkeit) davon zu überzeugen, dass es nur EINE Wahrheit gibt; nämlich die von ihnen Propagierte. Dass sich diese Leute jenseits des Wertekanons unseres Grundgesetzes und der Europäischen Menschenrechts-Charta positionieren, nehmen sie billigend in Kauf, weil sie glauben, eine bessere, die enzig wahre Wirklichkeit in petto zu haben; ihre eigene, welche über die Meinungsvielfalt der kreativen und motivierten Masse selbstverständlich erhaben sein will. Um das zu erreichen ist beinahe alles probat: bis hin zum Einsatz psychischer und/oder physischer Gewalt gegen Andersdenkende oder deren Angehörige.
    Es ist widerlich, aber dieser Aggression zu trotzen, ist ein Anspruch, der es wert ist, ihm gerecht zu werden.
    Dabei!

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