Heutige Parteien sind Krämerladen, bei denen für jedes Wehwehchen eine Lösung gefunden werden kann. Wenn man sie wählt, wählt man die ganze Bagage. So kommt es, dass man bei der vermeintlich Liberalen FDP (um nur einen Beispiel zu nennen) lauter neokonservative und neoliberale Ideologie finden kann, und kaum noch echtes liberales Gedankengut, geschweige denn Bürgerrechte.
Doch die Gesellschaft hat sich weiter entwickelt. Alte Soziotypisierungen zerbröckeln schneller als das Versprechen einer Partei in der Regierung. Den 08/15 Proletarier, der nach der Maloche natürlich linke Positionen unterstützt findet man in dieser Form genauso wenig wie den Manager, der nur rechte Positionen vertritt und sein Leben zwischen Arbeit, Familie und Geliebte verteilt.
Die Gesellschaft ist lebendiger geworden, unser politisches System muss das noch widerspiegeln. Auch deswegen, weil mit dem Internet eine der größten Umwälzungen unserer Gesellschaft gestartet wurde. Eine demokratisierende, eine Monopolbrechende und eine, in der die Mittelsmänner immer weniger Bedeutung bekommen.
Das erleben die Medienmoloche: Musik- Kino- und Presseindustrie sind nicht mehr die allein herrschende Filter für die Produkte, die sie verkaufen. Künstler können heutzutage selber ihre Musik verbreiten und verkaufen. Filmemacher können sich die Filme dank Crowdsourcing von Fans direkt finanzieren lassen, die als Dank eine DVD bekommen. Nachrichten sind überall zu finden, es entsteht eine Gegenöffentlichkeit gegenüber den etablierten Medien.
Genau so geht es der Politik. Parteien als prall gefüllte Krämerladen der Politik sind nur Mittelsmänner. Sie filtern das politische Geschehen zu ihren Gunsten. Doch das kann sich bald ändern. Die politiker- jedoch nicht politikverdrossene Bürger wollen entschieden mehr Teilhabe an der Politik. Sie fragen sich, wieso man Milliarden an Bankenrettung innerhalb von Wochen entscheiden kann, man jedoch Monate braucht, um den Bedürftigsten der Bedürftigen das Almosen von 5 EUR mehr pro Monat zu geben. Sie Fragen sich, wieso sie Großprojekte munter mit ihrem Steuergeld finanzieren sollen, während sie weder die Verträge sehen dürfen noch mitsprechen dürfen. Sie fragen sich, wieso die Spezialisten des politischen Geschehens es innerhalb von drei Jahren nicht geschafft haben, ein Wahlrecht zu schreiben, dass den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes entspricht, dem höchsten Gericht Deutschlands.
Nein, die Zeit der Kreuze alle vier Jahre auf einem Wahlzettel ist vorbei, die Zeit der Volksparteien bald auch. Die letzte Volkspartei, die dabei ist, ihre Wähler zu enttäuschen sind die Grünen. Im Moment erleben sie ihren Höhenflug, weil die Bürger nicht mehr wissen, wen sie wählen sollen, der sie nicht enttäuscht. Aber die Grünen sind jetzt schon munter dabei, auch ihre Wähler zu enttäuschen.
Und was kommt danach? Die Konzepte sind schon da. Konzepte wie „Liquid Democracy“ und das damit verbundene „Delegated Voting“ geben Interessengruppen, aber auch einzelnen Bürgern die Macht zurück. Angesichts solcher Konzepte, die die Piratenpartei unterstützt, mag sich der eine oder andere Fragen, ob die Piratenpartei noch bei Trost ist. Doch es geht uns nicht darum, Macht um der Macht Willen zu erlangen. Der Piratenpartei geht es um die Durchsetzung von Mitteln, die den Bürgern die demokratische Macht zurückgeben, um die Durchsetzung von Bürgerrechten, um ein gerechteres Deutschland.
Unter Umständen kann sie als Partei aufhören, sobald sich Konzepte wie „Liquid Democracy“ durchsetzen. Dann sind die Bürger wieder an der Macht, die Mittelsmänner in ihren Krämerladen können einpacken. Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn die Piratenpartei sich auflöst, weil ihre Ziele erreicht wurden.

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