Erlaubt mir, mit der Außensicht in den Diskurs einzugreifen. Dazu ein bisschen persönliche Geschichte, damit ihr wisst, woher ich diese Außensicht herleite:
Ich bin in Deutschland geboren, lebte aber zwischen meinem 3. und meinem 18. Lebensjahr in Spanien. Dort machte ich in einer Deutschen Auslandsschule als Quereinsteiger mein Abitur. Ich besitze zwei Staatsangehörigkeiten: Die Deutsche und die Spanische.

Nun zur Debatte: Tatsächlich meinen die Sprücheklopfer der Etablierten mit ihrer „Integrationsdiskussion“ eher Assimilation denn Integration. Alles, was sich nicht über einem Kamm scheren lässt ist doch Konservativen immer ein Dorn im Auge. Zusätzlich dazu sind sie gerade dabei, die niederen Instinkte der Bevölkerung zu befeuern, um am Rechten Rand zu fischen und die Leute vom Denken abzuhalten.

Andereseits sehe ich es als selbstverständlich, dass ich die Sprache meines Gastlandes soweit wie möglich beherrsche. Das ist ein Gebot der Freundlichkeit und des Respektes gegenüber meinen Gastgebern. Das heisst aber nicht, dass Immigranten sofort jedes Fitzelchen ihrer Kultur abstreifen sollten, um es gegen ein wie auch immer geartetes Deutschtum (soll ich hier von „Leitkultur“ reden?) zu tauschen.

Wenn ich in München in der Bahn sitze, höre ich bayerisch, hochdeutsch, türkisch, spanisch, katalanisch, ungarisch, italienisch… Und freue mich jedes Mal, dass wir die Chance haben, so viele unterschiedliche Eindrücke zu sammeln, so viel Neues zu erleben. Denn Vielfalt ist der Motor des (immateriellen wie materiellen) Fortschritts. Monokulturen überlasse ich Kleingeistern.

Das Gefasel der Etablierten rund um die „Parallelgesellschaft“ soll nur Angst schüren vor Andersartigkeit. Wie kleingeistig, wie langweilig. Ich freue mich immer wieder, wenn ich bei Freunden zu Besuch bin, und die ihre Kultur mit mir teilen. Ich lerne etwas dazu, ich bekomme etwas Neues mit und werde dadurch eine Erfahrung reicher.

Der Antrieb, die Sprache zu lernen ist durchaus vorhanden. Allerdings ist es in bestimmten Kulturkreisen (und hier spreche ich von besonders patriarchalisch geprägten Türken – u.U. gibt es andere) zu oft der Fall, dass die Frau im Haus verbleiben muss, keinen Kontakt mit der deutschen Außenwelt haben und beileibe kein Deutsch lernen darf.

Das hat mehr mit der patriarchalischen Einstellung dieser Menschen zu tun als dass es damit zu tun haben würde, Türke zu sein. Nur, da Türken eine Mehrheit unter den Einwanderer ausmachen, fällt es uns wohl besonders auf. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Einstellungen auch bei Italiener, Spanier oder … keine Ahnung … Polen vorhanden sind.

Das Problem hier ist nicht die Herkunft der Menschen, sondern deren patriarchalische und ultrakonservative Einstellung. Doch davon wollen unsere Ultras natürlich nichts wissen. Wär ja noch schöner, wenn die Bürger auf den Gedanken kämen, dass Konservativismus Teil des Problems ist.

Nicht wahr, Herr Seehofer?

[UPDATE]: Und währenddessen deportiert die deutsche Regierung munter Roma ins unsichere Kosovo. JA WO LEBE ICH DENN?

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